Das Herz – der Motor des Lebens

Von der Leistung und Lebensdauer unseres faustgroßen Herzmuskels sind die Motoren moderner Sportwagen Lichtjahre entfernt. Unser Herz ist eine außerordentlich effektive und dazu robuste Konstruktion. Gut gepflegt, schlägt es 100 Jahre und länger – ohne jede Pause.
Oberflächlich betrachtet, ist das Herz eine vierteilige Pumpe (mit zwei Herzkammern und zwei Vorhöfen), die einen Doppelkreislauf mit sauerstoffhaltigem Blut auf der einen und sauerstoffarmem Blut auf der anderen Seite antreibt. Der Vergleich mit einem Automotor macht seine Kraft und Ausdauer deutlich: Herkömmliche Verbrennungsmotoren sind auf etwa 5.000 Betriebsstunden ausgelegt. Unser Herz dagegen läuft sich bereits 5.000 Stunden „warm“, bevor es seine wirkliche Funktion aufnimmt: Im Mutterleib schlägt es sozusagen im Testbetrieb. Nach der Geburt hält es dann durchschnittlich 652.000 Stunden durch – ohne Boxenstopp.

Pulsschlag mit 500 Pferdestärken

Physiker haben berechnet, dass seine Leistung der eines 580-PS-Motors entspricht, und das mit Ruhepuls, also sozusagen im ersten Gang! Etwa 200 Millionen Liter „Treibstoff “, sprich Blut, werden im Laufe eines Menschenlebens durch den Körper gepumpt – was etwa der Ladung von ein bis zwei Supertankern entspricht. Während schnelle Autos häufig liebevoll gepflegt werden, finden die meisten Herzen erst Beachtung, wenn es Probleme gibt.

Fördern und fordern

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Und auch wenn unser wichtigster Muskel einiges aushält – ein bisschen Herzpflege hätte er schon verdient. Neben dem Verzicht auf Zigaretten ist er vor allem für regelmäßiges Training dankbar. So macht der Wechsel zwischen ausreichender Bewegung (die auch einmal anstrengend sein darf) und Entspannung das Herz stark für die Herausforderungen des Alltags.

Eine Gefahr sind zum Beispiel verstopfte Arterien. Sport hilft auf verschiedene Arten dabei, die gefürchtete „Arterienverkalkung“ zu vermeiden. Auch am Herzen selbst nützt der Trainingseffekt: Ausdauertraining führt dazu, dass gewisse alternative Versorgungsleitungen rund um den Herzmuskel ausgebaut werden (die Kollaterale). Im Fall einer verstopften Herzarterie können diese ihre Aufgaben übernehmen, das Herz repariert sich quasi selbst.

Menü fürs Herz

Verschiedene Mikronährstoffe tragen zu einer normalen Herzfunktion bei und sollten deshalb ausreichend im Speiseplan vorkommen, beispielsweise die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch wie Lachs und Makrele. Oder Magnesium, das für die Muskelfunktion unentbehrlich ist. Darüber hinaus sind verschiedene B-Vitamine und einige sekundäre Pflanzenstoffe von besonderer Bedeutung für ein gesundes Herz-Kreislauf-System.

In der Ruhe liegt die Kraft. Dauerstress und pausenlose Belastung überfordern das System. Unter Stress schüttet der Körper Botenstoffe aus, die den Blutdruck erhöhen und die Arterien verengen. Das ist kurzfristig eine sinnvolle Anpassung, aber auf Dauer belastend für das Herz-Kreislauf-System. Stressfaktoren für den Körper sind beispielsweise chronische Entzündungen (z. B. am Zahnfleisch), starkes Übergewicht, Schlafmangel, aber auch eher psychische Faktoren wie dauerhafte Anspannung, Überforderung, Trauer oder Termindruck.

Nicht immer haben wir auf all diese Faktoren Einfluss. Studien haben aber gezeigt, dass Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und sogar das Hören von ruhigen Musikstücken einen positiven Einfluss auf den Blutdruck und die Herzfunktion haben können.

Sensible Schaltstelle

Auf den zweiten Blick zeigt sich: Das Herz ist viel mehr als eine mechanische Pumpe. Mit verschiedenen Nervenbahnen ist es eng mit dem Gehirn verknüpft. Über Botenstoffe wie das Noradrenalin bekommt der Herzmuskel bei körperlicher Aktivität die Anweisung, schneller und kräftiger zu schlagen. Darüber hinaus sind auch Hormone an der Steuerung der Herzfunktion beteiligt. Und die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn ist keine Einbahnstraße – die „Pumpe“ kann auch selbst Signale abgeben, etwa zur Regulation des Blutdruckes.

Das Herz reagiert sensibel auf emotionale Zustände wie Freude oder Trauer und passt seine Leistung der jeweiligen Situation an. Daher ist es auch noch nicht gelungen, ein mechanisches Herz zu entwickeln, das ein geschädigtes Organ ersetzen könnte. Einige hundert Menschen in Deutschland bekommen jedes Jahr ein Spenderherz und inzwischen können die Empfänger damit jahrzehntelang gut leben.

Auch bei der Suche nach Alternativen zur Transplantation gibt es erste Erfolge: Aus körpereigenen Stammzellen (etwa aus Nabelschnurblut) können die Forscher bereits Gewebe züchten, das Muskelstränge bildet und pulsiert wie der Herzmuskel. Bis daraus allerdings ein funktionsfähiges Herz entsteht, ist es noch ein weiter Weg. Dürfte unser sensibles, starkes Herz einen Wunschzettel schreiben, stünden darauf Training, Entspannung und gesunde Ernährung ganz oben.

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